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Latex-Allergie (Kundeninformation)

Nachdem in den vergangenen Jahren in der wissenschaftlichen Fachpresse Veröffentlichungen über das Thema „Latexallergie" erschienen waren, wurde dieses Phänomen auch Zielobjekt der Berichterstattung in der Tagespresse und sogar im Fernsehen. In einigen Länder, wie beispielsweise in den USA nahm diese Berichterstattung seit 1995 teilweise dramatische Züge an und wurde schließlich sogar auf Kongress-Ebene diskutiert.

Wie in solchen Fällen üblich, blieben dabei die sachlichen Aspekte weitgehend auf der Strecke und fast zwangsläufig wurden Hersteller und Verwender von Bedarfsgegenständen aus Naturgummi verunsichert. Schlußendlich wurden natürlich auch die Gesundheitsbehörden involviert und unter dem äußeren Druck zum Handeln ex officio veranlaßt.

Auch viele unserer Kunden wurden von dem Thema „Latexallergie" erfaßt und haben logischerweise Informationsbedarf bei uns geltend gemacht. Die von uns in solchen Fällen individuell gegebene Information möchten wir mit dieser detaillierten Kundeninformation generell ergänzen und auf den neuesten Stand bringen.

Was muss man unter Latexallergie verstehen

Der üblicherweise aus dem Gummibaum (Hevea Brasiliensis) gewonnenen Naturgummilatex ist eine milchweiße Dispersion, die im Trockenprodukt zu etwa 91% bis 95% aus cis-1,4-Polyisopren besteht. Der Rest setzt sich zusammen aus Salzen, Sterinen und da. 0,8% bis 1,4% Proteinen. Einige dieser natürlichen Proteine, von denen es über 100 verschiedenen Varianten gibt, können beim Menschen als Allergene wirken und lokale oder systemische Reaktionen auslösen. Die Auswirkungen sind individuell verschieden und die klinischen Symptome können von Hautrötung über heuschnupfenartige Zustände bis hin zum anaphylaktischen Schock reichen. Nach der Coombs/Gel-Klassifizierung (1963) werden Allergien von Typ I (Soforttyp-Allergien) und Typ IV (Spätallergie) beobachtet.

Gefahrenträchtige Produkte

Bei den aus elastomeren Wirkstoffen (allgemein Gummi genannt) bestehenden Bedarfsgegenständen muß man grundsätzlich unterscheiden zwischen Naturgummi und Synthesegummi. Nur der Naturgummi ist Träger von Proteinen und potentiell fähig, eine Latexallergie auszulösen.

Eine zweite sehr wichtige Entscheidung ist die zwischen Bedarfsgegenständen, die aus Gummilatex oder aus Festkautschuk hergestellt werden. Im ersteren Fall wird der Gummilatex direkt als Ausgangsmaterial benutzt und die Formteile werden in einem Tauchprozess (Metall- oder Porzellanform) mit anschließender Vulkanisation hergestellt. Der Gummilatex enthält eine hohe Konzentration an Proteinen, die anteilsmäßig auf die Tauchartikel übertragen wird. Typische Artikel, die auf diese Weise hergestellt werden, sind Kondome, Handschuhe, Katheter, etc., sie fallen allesamt in die Kategorie der Medizingeräte. Im zweiten Fall wird durch einen Aufberitungsprozess (Koagulieren, Waschen, Pressen und Trocknen) die Festsubstanz des Latex isoliert und als Ausgangsmaterial verwendet. Man nennt dieses Material „Festkautschuk". Die Formteile werden anders als beim Tauchprozess durch Vulkanisation einer Gummimischung (das ist eine gewalzte oder geknetete Mischung aus Festkautschuk, Füllstoff und funktionellen Beimischungen) in einer Kompressions- oder Injektionsform vulkanisiert. Der Festkautschuk und die daraus hergestellten Teile enthalten deutlich weniger Proteine als die Latex-Tauchartikel. Typische Artikel, die auf diese Weise hergestellt werden, sind Autoreifen, Dichtungen und auch pharmazeutische Verschlüsse, letztere fallen in die Kategorie der Primärpackmittel für pharmazeutische Produkte.

Gefährdete Personengruppen

Naturgemäß sind solche Personengruppen besonders gefährdet, die wiederholten Kontakt mit Tauchartikeln haben, wobei eine großflächige Kontaktzone gegeben ist. Ein ganz typisches Beispiel sind die chirurgischen Handschuhe, welche grundsätzlich sowohl bei Patienten wie auch beim Klinikpersonal Allergien auslösen können.

Es ist deswegen nicht verwunderlich, das sich die meisten Berichte mit dieser Konstellation auseinandersetzen. Ähnlich gravierend, wenn auch nicht ganz so häufig, sind Zwischenfälle mit Kathetern und Manschetten.

Bisher wissenschaftlich nicht nachgewiesen wurden Allergien, die durch Verschlusselemente als Bestandteil der pharmazeutischen Primärverpackung ausgelöst worden sind. Überhaupt ist festzustellen, das in diesem Bereich weder eine Gefährdung des Klinikpersonals noch ein direkter Kontakt des Patienten mit großflächigen Kontaktzonen gegeben sind. Auch der gegenüber Tauchartikeln deutlich reduzierte Gehalt an Proteinen ums als prinzipiell vorteilhaft eingestuft werden.

Spezielle Aspekte

Typische Verschlusselemente aus Naturgummi (Festkautschuk)

Im Bereich der Verschlußelemente für die pharmazeutische Primärverpackung wurde der einst dominante Anteil des Naturgummis in den letzten 25 Jahren systematisch auf ein kommerziell sehr geringen Anteil reduziert. Klassischer Naturgummi spielt immer dann noch eine Rolle, wenn die wirklich einzigartigen Eigenschaften wie Elastizität, geringer Druckverformungsrest und Rückstellkraft für die jeweiligen Anwendungen von ausschlaggebender Bedeutung sind.

Typische Produkte, bei denen dies der Fall ist, sind folgende:

  • Nadelschutzelemente für vorgefüllte Einmalspritzen (sehr kleine Kontaktzone)
  • Stülpstopfen (Sleeve Stoppers); verbreitet in den USA
  • Dichtelemente für Insulinbehältnisse/Applikatoren

Im Bereich Medical Devices müßten zusätzlich noch genannt werden:

  • Kolbenstopfen für leere Einmalspritzen
  • Schlauchverbinder für Übertragungsgeräte
  • Dichtungen für Dialysatoren

Aktivitäten der Gesundheitsbehörden
Regulative Aspekte

Die Gesundheitsbehörden in den USA und in der EG sind im Falle der Latexallergie erst durch Pressenachrichten und Öffentlichkeitsdruck aktiv geworden. In den USA beispielsweise war in 1996 der Mediendruck so stark geworden, das es zu einer Diskussion des Themas vor dem Kongreß und danach zu einem Sekundärdruck auf die FDA gekommen war; es wurden u.a. Forderungen nach Verbot von Naturgummi, aber zumindest nach einer Deklarationspflicht laut. Glücklicherweise hat die FDA dem politischen Druck standgehalten und das Thema sachlich fundiert und kooperativ mit Herstellern und Verwendern aufgearbeitet. Nicht zuletzt aus simplen pragmatischen Gründen, denn ein Verbot von Naturgummi hätte die gesamte Gesundheitsversorgung mit einem Schlag infrage gestellt.

Am 7. Januar 1997 fand auf Einladung der PDA ein interdisziplinäres NRLA (Natural Rubber Latex Allergy) - Forum in Rockville, MD, statt, an welchem neben der FDA Vertreter de Pharmahersteller, bedeutende Hersteller von Gummiverschlüssen, Mitglieder der USP sowie bekannte Allergologen teilnahmen. Das NRLA - Forum war exklusiv den Gummiverschlüssen für parenterale Anwendung gewidmet.

Kernaussagen bzw. Erkenntnisse dieser Veranstaltung lassen sich folgender maßen formulieren:

  • die Latexallergie ist kein neues Phänomen, sondern seit den 20er Jahren bekannt. Die Stringenz liegt offenbar in einer durch massenhafte und frequente Anwendung ausgelösten Sensibilisierung von Patienten und Klinikpersonal.

  • Die reportierten Todesfälle stehen nicht mit Gummiverschlüssen, sondern mit medizinischen Geräten in Verbindung

  • es gibt trotz einiger Publikationen über NRLA-Zwischenfälle mit Verschlüssen keine fundierte wissenschaftlichen Erkenntnisse, die einen bündigen Zusammenhang beweisen.

  • in Anbetracht der obigen Erkenntnisse sehen weder FDA noch USP einen regulativen Handlungsbedarf.

  • die Pharmaindustrie weist darauf hin, das Umstellungen auf proteinfreie Gummisorten nicht ad hoc möglich seien (Stabilitätsteste, Registrierung und administrative Anpassungen dauern etwa 2 Jahre). Auch der ökonomische Faktor ist gravierend; man schätzt, daß die Umstellung pro Gummisorte mindestens 100.000 US $ kosten wird

  • die Gummihersteller halten den Austausch von Naturgummi gegen Syntheseisopren generell für möglich; der zeitliche Vorlauf dürfte sich auf etwa ein bis zwei Jahre belaufen

Auch innerhalb der EG ist die Latexallergie bereits Gegenstand von besorgten Diskussionen gewesen. Während CEN und ISO ihre Aktivitäten vornehmlich auf "Medical Devices" ausgerichtet haben (insbesondere auf chirurgische Handschuhe) und an einer Proteinbestimmungsmethode arbeiten, hat die Europäische Arzneibuchkommission den Einfluß auf Arzneimittel betrachtet, wobei jedoch vorerst kein Handlungsbedarf erkannt wurde.

In Deutschland ist die Latexallergie durch mehrere populärwissenschaftliche Fernsehberichte in das Bewußtsein der Öffentlichkeit gebracht worden. Dadurch ergab sich naturgemäß ein gewisser Handlungsbedarf für Behörden.

So kam es am 7. April 1997 auf Einladung von Dr. G. Schorn zu einer Art Hearing beim BMG in Bonn. Die dabei erörterten Aspekte sind in der Pressemitteilung Nr 31 des BMG vom 15. April 1997 reflektiert. Interessant ist zu sehen, daß Gummiverschlüsse in diesem Zusammenhang nicht mehr auftauchen. Tenor ist der Druck auf Hersteller von „Naturlatexprodukten" bei medizinischen Geräten, den Anteil von Protein im Endprodukt zu reduzieren. Der Verzicht auf „Naturlatex" beispielsweise bei Haushaltshandschuhen wird angeregt.

Aktivitäten im CEN und in der ISO
Normative Aspekte

Beide Gremien befassen sich mit je einer Arbeitsgruppe vornehmlich mit chirurgischen Handschuhen und haben jeweils eine Norm zur Bestimmung von Proteinen in Gummiartikeln erarbeitet. Zur Zeit erfolgt eine Harmonisierung dieser Normen, so daß etwa gegen Ende 1997 ein gemeinsames Dokument vorliegen könnte.

Gummiverschlüsse für parenterale Zubereitungen werden im ISO/TC 76/WG 4 und CEN/TC 205/WG 11 behandelt; beide Gremien koordinieren ihre Arbeiten untereinander und stimmen sich außerdem mit der Expertengruppe T 16 der Europäischen Arzneibuchkommission ab. Zur Zeit wird interdisziplinär kein akuter Handlungsbedarf gesehen.


Aktivitäten der Gummihersteller
Innovative Aspekte

Weltweit haben die Hersteller von pharmazeutischen Gummiverschlüssen die durch die Latexallergie aufgeworfene Herausforderung angenommen und äquivalente proteinfreie Gummisorten entwickelt. Dies war nicht einfach ein Routineprozeß, bei welchem in einer gegebenen Rezeptur der vorhandene Naturgummi durch ein Syntheseisopren ersetzt wurde, sondern es bedurfte schon einer ausgefeilten und innovativen Rezepturarbeit.

Mögliche Alternativen zu Naturgummi sind:

  • Isopren
  • Ethylen-Propylen
  • Chlor- und Brombutyl
  • Styrolbutadien
  • Silikon

Die ersten Resultate dieser neuen elastomeren Materialien sind vorhanden und zeigen ermutigenden chemische, physikalische und biologische Eigenschaften.

Isopren:

Material Farbe Härte Einsatz
IR0130 transluzent 30 Septa, Verbindungsstücke
IR1040 grau, creme 40 Scheiben, Kolbenstopfen
IR1050 grau 50 Kolbenstopfen
IR1055 schwarz 55 Kolbenstopfen

Chlor- / Brombutyl:

Material Farbe Härte Einsatz
BIIR2030 creme 30 Septa, Hohlstopfen
BIIR2040 grau, rot 40 Hohlstopfen, Kolbenstopfen
BIIR2045 grau, rot 45 Hohlstopfen, Kolbenstopfen
BIIR2055 grau 55 Scheiben, Kolbenstopfen
BIIR2140 grau, weiß 40 Folien für Insulinanwendungen
BIIR2145 grau, rot 45 Elemente für Insulinanwendungen
CIIR1045 grau, rot 45 Hohlstopfen, Kolbenstopfen
CIIR1050 dunkelgrau 50 Scheiben, Hohlstopfen, Kolbenstopfen
CIIR1550 rot 50 Saughütchen

Ethylen-Propylen:

Material Farbe Härte Einsatz
EPDM0150 dunkelgrau 50 Kolbenstopfen, O-Ringe
EPDM0155 dunkelgrau 55 Kolbenstopfen, O-Ringe

Silikon:

Material Farbe Härte Einsatz
MVQ1040 div 40 O-Ringe, Membrane
MVQ1050 div 50 O-Ringe, Membrane

Für zusätzlich Informationen und Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Dieser Artikel wurde veröffentlicht von der Lonstroff AG / Hr.Dr.Urs Bahnmüller.

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Zuletzt geändert am: 13. November 2002